Vor Toresschluss

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Beschreibung

Gunter Preuß

Vor Toresschluss
Mit Zeichnungen von Dietrich Wenzel

Klappenbroschur, 216 Seiten
22 x 15 cm
ISBN 978-3-95415-127-1

Gunter Preuß: Und dennoch – das Nachdenken lässt mich nicht los, weniger über den Tod (der spricht mit keinem), aber umso mehr über das Leben, das mir noch einiges zu sagen weiß und dabei mit jeder Antwort zwei neue Fragen stellt. Und vieles davon, was ich mir durch den Kopf gehen lasse, hauptsächlich das, was vom Menschen kommt, fordert zum Nachfragen und zum Widerspruch auf. Ohne irgendeinen Krückstock ist noch keiner weit gekommen, und vor allem braucht es ein Bild – eine Vorstellung von Welt –, in dem man sich bewegen kann und will. Jeder wird darin anders denken und empfinden, weil man annehmen darf, dass gerade bei den ranghöchsten Herrentieren das Gleiche nicht dasselbe ist.
Dietrich Wenzels feinsinnige Arbeiten wollen hier nicht als illustrierende Bilder verstanden werden. Sie sind zu anderer Zeit und Gelegenheit entstanden und es soll dem Leser und Betrachter überlassen bleiben, ob er eine Verbindung zwischen Text und Bild herstellen kann und will. Für den Autor sind es vor allem Menschenbilder in ihrem Sein und Schein, die das Individuum und darüber hinaus den Menschen an sich in den Blick nehmen. Diese Dualität wiederum scheint mir vor allem für die Sinn- und Unsinnsprüche zu passen.

Aus dem Inhalt der Sinn- und Unsinnsprüche:

  • Hoffnung haben heißt Geduld aufbringen und auf alles gefasst sein.
  • Jeder kann dir alles versprechen, aber etwas davon halten kannst nur du.
  • Das Gute fordert mehr Opfer als das Schlechte.
  • Die Erkenntnis macht die Dinge weder besser noch schlechter. Daher muss sich schon einer finden, der sie geduldig und geschickt in die Hände nimmt.
  • Das ist schon seltsam, da sage ich: „Ich glaube nicht an Gott“ und beschäftige mich dessen ungeachtet mein Leben lang mit ihm.
  • Hast du schon einmal jemand über den Schmerz klagen hören, den er einem anderen zugefügt hat?
  • Er hatte die höchsten Gipfel der Welt bestiegen und nicht einmal die Hand vor Augen gesehen.
  • Manchmal bist du einsamer mit dem, was du hast, als in dem, woran es dir fehlt.
  • Mich hätte keiner aus dem Paradies vertreiben müssen. Das hätte ich ganz allein geschafft.
  • Weil du dein Vertrauen nicht der Wahrheit schenken willst, lässt du es dir von der Lüge verkaufen.
  • Was wir an der Gegenwart auch zu kritisieren haben – ein Gutes hat sie: Sie vergeht im Augenblick.
  • Stets bemüht: Wir tun alles dafür, unserer Erde ihren baldigen Untergang zu erleichtern.
  • Wenn man bedenkt, dass der Mensch sich von Beginn an im Zustand der Insolvenz befindet, hat er Beträchtliches zustande gebracht.
  • Bei manchen Sünden ist der Genuss noch intensiver, wenn du dir bereits zuvor vergibst.
  • Menschen aus aller Welt möchten gern in manchem wie die Deutschen leben, aber kaum einer möchte einer sein.
  • Alle Fehler, die wir an anderen finden, fänden wir auch bei uns, kämen wir jemals auf die dumme Idee, danach zu suchen.