Wiege einer Industrie

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Beschreibung

Ronald Piech
Wiege einer Industrie
Düfte und Aromen aus Mitteldeutschland

Festeinband, 208 Seiten
21,5 x 27 cm, 402 Abbildungen
ISBN 978-3-95415-122-6

In der Leipziger Industriegeschichte gibt es noch vergessene oder unentdeckte Adressen von dereinst legendärem Ruf. Manche von ihnen leben in ihm fort, weil ihre Tradition bis in unsere Tage weitergeführt wird. Aromen und Düfte sowie ihre Ausgangsstoffe herzustellen, hat in Leipzig eine lange Geschichte und setzte weltweite Maßstäbe. Die 1829 in Leipzig gegründete Firma „Schimmel & Co“ wurde zur Wiege einer heute über alle Kontinente verbreiteten Branche der chemischen Industrie, die relativ klein, wenig wahrnehmbar aber unverzichtbar ist. Unter den Unternehmen, die dieses spezielle Geschäft betrieben, ragte gerade diese Firma über 100 Jahre und drei Unternehmergenerationen heraus: an Größe, Bedeutung und Pioniergeist. Sie leistete auch einen wich­tigen Beitrag zu Entwicklungen, die erstmals Dinge des täglichen Lebens, die heute keiner mehr missen möchte, möglich und erschwinglich zu machen. Das Buch zeichnet ein Profil vom Unternehmertum der Leipziger Familie Fritzsche, das durch Initiative, Internationalität, Einbeziehung von Wissenschaft und Forschung sowie soziale Verantwortung getragen war. Es schildert den Werdegang einer Industrie, an deren Erblühen Menschen aus Leipzig und der Region über Generationen hinweg gestalterischen Anteil hatten und skizziert vergangene und lebendige Aktivitäten mit Düften und Aromen in der Region.

Rezension

Wiege einer Industrie: Ronald Piech auf den Spuren der Aroma- und Duftfabrikation in Leipzig, Miltitz und drüber hinaus
von Ralf Julke, 1. Februar 2023

20 Jahre hat sich Ronald Piech mit einem Leipziger Wirtschaftszweig beschäftigt, der fast nie genannt wird, wenn es um die großen erfolgreichen Branchen in der Geschichte der Stadt geht. Dabei war Leipzig seit über 150 Jahren auch eines der großen deutschen Zentren der Produktion von Düften und Aromen. Und dieses Kapitel ist noch längst nicht zu Ende. Denn in Miltitz führt Bell Flavors and Fragrances die Tradition fort.
Und natürlich steht Miltitz im Fokus der Aufmerksamkeit, obwohl auch die Geschichte von Schimmel & Co. nicht erst in Miltitz begann, sondern in Leipzig selbst, 1829, als der Apotheker Gottlob Eduard Büttner und der Drogist Ernst Ludwig Spahn eine „Drogerie- und Farbwarengandlung“ vor dem Hallischen Tor gründeten.
Jenes Unternehmen, das durch eine Anteilsübernahme durch Friedrich Eduard Louis Schimmel zu jenem Namen kam, der dann weltberühmt wurde, und zwar nicht mehr durch den Handel mit „Drogen“ und Farben, sondern durch die zunehmend industrielle Produktion von Aromen und Düften für eine Wirtschaft, die genau das in immer mehr Bereichen auch nachfragte.
Unsere moderne Konsumwelt ist ohne diese Allgegenwart von Duft- und Geschmacksnoten aus der Retorte gar nicht mehr denkbar. Auch wenn nur das Wenigste davon noch direkt aus natürlichen Zutaten gewonnen wird. So wie in den frühen Jahren von Schimmel &. Co., als vor Leipzig noch riesige Lavendelfelder blühten und das Unternehmen auch eine Zweigniederlassung in Südfrankreich gründete.

Welterfolg erst an der Berliner Straße, dann in Miltitz
Ronald Piech hat sich tief hineingegraben in diese Unternehmensgeschichte und damit tatsächlich die Entstehung eines völlig neuen Wirtschaftszweiges sichtbar gemacht, der in Leipzig erstaunlicherweise schon früh seinen Schwerpunkt hatte und mit Schimmel & Co. ein Unternehmen hervorbrachte, das auf diesem Markt den Takt angab. Bis hin zur wissenschaftlichen Forschung „in neuen Dimensionen“ und der bahnbrechenden Entwicklung der organischen Chemie.
Der Massenmarkt an aromatisierten Produkten verlangte geradezu nach naturidentischen Aromen und Düften, die preiswerter hergestellt werden konnten als die Essenzen aus natürlichen Zutaten. Auf einmal waren die Leipziger Aroma-Produzenten mittendrin in den neuesten Entwicklungen der organischen Chemie. Nicht nur Schimmel & Co.
Im zweiten Teil des Buches zeichnet Piech auch die Geschichte anderer namhafter Unternehmen aus Mitteldeutschland nach, die damals an den Start gingen – von Heine & Co., wo ja Karl Heine selbst ab 1859 sein Betätigungsfeld als Produzent ätherischer Öle fand (das Fabrikgebäude findet man heute noch in der Schreberstraße), über Oehme & Baier mit ihrer Fabrikation in Gohlis und die Waldheimer Parfümerie- und Toilettenfabrik A.H.A. Bergmann (wo später die berühmte „Florena“-Creme entstand) bis hin zu AGFA in Wolfen.
Dass die Geschichte von Schimmel & Co. nicht 1948 mit der Enteignung der Unternehmerfamilie Fritzsche endete und auch nicht mit der Abwicklung des VEB Chemisches Werk Milititz im Jahr 1990, erzählt Piech natürlich ebenso, auch wenn man merkt, dass ihn das Wirken der drei Generationen Fritzsche, die aus der anfangs überschaubaren Produktion an der Berliner Straße ab den 1890er Jahren die erste richtige industrielle Großproduktion von Düften und Aromen in Miltitz aufbauten, näher am Herzen lag.
Was nur zu verständlich ist. Denn hier wird das Wirken einer prägenden Leipziger Unternehmerfamilie sichtbar, die Fachkompetenz mit unternehmerischem Verantwortungsgefühl verband und damit Erfolg hatte.
Eine Geschichte, die so erstmals ausführlich und reich bebildert erzählt wird und die vom Gespür Leipziger Unternehmer für einen völlig neu entstehenden Markt erzählt. Einem Markt, den es so im 18. Jahrhundert, als Duftwasser eine Sache reicher Leute war, noch gar nicht gab. Die mit der Entstehung der Kosmetikindustrie, wie wir sie heute kennen, genauso zusammenhängt wie mit der Entstehung der Süßwaren- und Backwarenindustrie. Auch ist ja die in Mitteldeutschland bestens vertreten.

Eine Welt künstlich erzeugter Aromen
Piech schafft es in seiner Reise durch fast zwei Jahrhunderte, einem Unternehmerporträt den Hauch des Gestrigen und Vergangenen zu nehmen. Denn oft denkt man ja nur an bärtige, konservative Herren, die in Leipzig ihre Geschäfte betrieben, und Unternehmen, deren einstiger Glanz erloschen und vergangen ist. Leipzig quasi als Wirtschaftsmuseum.
Aber Piech zeigt das Moderne und dem Neuen Aufgeschlossene, das nicht nur die Arbeit der Fritzsches prägte. Er erzählt von einem weltweiten Handel mit den Produkten aus den Fabriken an der Berliner Straße und später in Miltitz und den erstaunlichen Möglichkeiten, die sich boten, als immer mehr natürliche Aromen und Duftstoffe chemisch erzeugt werden konnten. Eine Produktpalette, die selbst in sozialistischen Zeiten gebraucht wurde.
Man staunt, in wie vielen Produkten die Aromen und Essenzen verarbeitet wurden. Vom Puddingpulver über die Brause bis zur Näscherei. Auch die DDR-Bürger lebten in einer künstlich aufgepeppten Geschmacks- und Duftwelt, die eben nicht mehr direkt von der Plantage stammte, sondern aus der Retorte. Produziert im Chemiedreieck um Leipzig.
Wie würde eigentlich eine Welt riechen und schmecken, in der es das alles nicht mehr gäbe?
Das ist nicht mehr vorstellbar. Es wäre die Welt von vor 200 Jahren. Und es wäre eine wesentlich unhygienischere Welt. Und auch eine viel schwerer kalkulierbare, denn Ernteausfälle machten auch den Leipziger Aroma-Fabriken im 19. Jahrhundert zu schaffen, ließen die Preise für Rohstoffe explodieren und die Öle und Essenzen unerschwinglich werden.
Auch wenn diese Art der Produktion noch etwas Beeindruckendes hatte, wenn man die Lieferungen von wertvollen exotischen Hölzern und Rinden sieht oder die riesigen Mengen von Zitronen und Erdbeeren, die damals noch verarbeitet wurden, um Geschmack und Duft zu extrahieren.
Und anfangs waren die Leipziger Unternehmen allesamt noch darauf angewiesen, dass die natürlichen Zutaten für ihre ätherischen Öle direkt vor der Haustür angebaut und geerntet wurden – vom Kümmel bis zur Pfefferminze.

Raus aus dem Vergessen
Man erlebt also auch mit, wie sich der damals noch junge Wirtschaftszweig Jahrzehnt um Jahrzehnt revolutionierte, um den immer weiter wachsenden Bedarf einer florierenden Wirtschaft an Aromen und Duftnoten zu befriedigen. Dass die Militzer bis heute stolz auf ihre „Aroma-Fabrik“ sind, ist nur zu verständlich. Im Grunde sind aus dem Miltitzer Unternehmen nach der deutschen Vereinigung zwei Unternehmen hervorgegangen – neben dem von Bell übernommene Standort in Miltitz auch noch die Miltitz Aromatics GmbH.
Piech repariert also in vielen Aspekten und Kapiteln, was „in vierzig Jahren des Vergessenmachens privaten Unternehmertums“ tatsächlich kaum noch wahrgenommen wurde. Und was zum Teil bis heute gilt, weil eben viele einst namhafte Unternehmen in Leipzig ja tatsächlich die 40 Jahre DDR nicht überlebt haben, viele 1990 schlicht nicht mehr wettbewerbsfähig und heruntergewirtschaftet waren.
So gesehen hatten die „Miltitzer“ sogar Glück, weil zwar der künstlich geschaffene Markt aus der RGW-Zeit über Nacht verschwand, die Produkte aber auch auf dem deutschen und dem Weltmarkt nachgefragt sind. Bis heute.
Und auch die Erinnerung an die Zeit der Fritzsches ist nicht tot. In einem Kapitel würdigt Piech besonders die seinerzeit entstandene wissenschaftliche Bibliothek, die in der Obhut von Bell Flavour and Fragrances restauriert und wieder der Nutzung zugeführt wurde.
Denn hier findet man ja nicht nur die profunden Veröffentlichungen aus dem Hause Schimmel & Co., sondern auch die wissenschaftlichen Grundlagenarbeiten, mit denen vor über 100 Jahren die moderne Aroma-Industrie aufgebaut wurde.
Und damit eine Duft- und Geschmackswelt, die seitdem nicht mehr nur einer reichen Schicht zur Verfügung steht, sondern für jeden Haushalt erschwinglich ist. Selbst wenn die Käufer gar nicht wissen, was da alles auf der Zutatenliste steht und was davon in Miltitz oder Espenhain aus der Retorte kam.

Leipziger Volkszeitung, 21.2.2023

Nach langjährigen intensiven Recherchen hat Ronald Piech eine fakten- und facettenreiche, illustrierte Geschichte der Duftstoff- und Aromaindustrie in Mitteldeutschland von ihrer Entstehung im 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart vorgelegt. Die großformatige im Passage-Verlag erschienene Publikation beginnt mit einem einführenden Exkurs zur Geschichte des Parfüms und zur exponierten Rolle der Stadt Leipzig als Standort zahlreicher und bedeutender Firmen der Duftstoff- und Aromaherstellung. Piech zeichnet dabei die Entwicklung von ersten Parfümerien über Nebenprodukte findiger Apotheker und Drogisten, Manufakturen für ätherische Öle und Essenzen im 19. Jahrhundert bis hin zu den großen Duftstoffunternehmen von internationalem Rang im 20. Jahrhundert eindrucksvoll nach.
In Teil 1, der mit über 120 Seiten den Schwerpunkt des Buches ausmacht, widmet sich der Autor dem größten und bedeutendsten Unternehmen der Branche, der Firma Schimmel & Co. in Miltitz. Zunächst hatte die Firma in den 1860er Jahren noch ihren Standort in der Berliner Straße in Leipzig, bevor sie aus Kapazitätsgründen ab 1901 ein größeres Areal in der Gemeinde Miltitz am Rande der Stadt zum Firmensitz ausbaute. Der Autor stellt ausführlich die Entwicklung dieses Unternehmens und seiner führenden Vertreter chronologisch dar und hat dazu offenbar alle noch verfügbaren Quellen und Zeugnisse zu einer vielschichtigen, informativen und gut lesbaren Betriebsgeschichte im weitesten Sinn verarbeitet. Dabei verzichtet Piech auf die Angabe konkreter Quellenhinweise bzw. Anmerkungen, so dass nicht ersichtlich ist, aus welchem Archiv bzw. welchem Archivbestand seine Informationen stammen. Lediglich für die Abbildungen sind entsprechende Angaben in dem knappen Quellen- und Bildnachweis auf der letzten Seite des Buches zu finden. Zwar dankt der Autor ebenfalls auf Seite 208 unter anderem den Archiven und Bibliotheken für ihre Unterstützung, aber es lässt sich beispielsweise nicht genauer nachvollziehen, welche Archivalien von ihm herangezogen wurden. So sei an dieser Stelle auf die einschlägigen und umfangreichen Archivbestände im Staatsarchiv Leipzig „Schimmel & Co. Miltitz“ (Bestand 20721 mit 9,5 Laufmetern Archivgut aus dem Zeitraum 1824–1945) und an den Nachfolgebestand „VEB Chemisches Werk Miltitz“ (Bestand 20722 mit 27 Laufmetern Archivgut aus dem Zeitraum 1918–1987) verwiesen, die der Autor sicher ausgewertet hat und woher auch zahlreiche verwendete Abbildungen und Dokumentenreproduktionen im Buch stammen.
Anschaulich schildert Ronald Piech den Aufstieg von Schimmel & Co. von einer Drogerie- und Farbwarenhandlung seit 1829 über die manufakturelle Destillation ätherischer Öle bis zur Großproduktion und dem weltweiten Handel mit Aromen und Duftstoffen für die Parfüm- und Seifenherstellung, für pharmazeutische Zwecke sowie für viele Bereiche der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. So fanden seit Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Aromen bei Back- und Konditoreiwaren, bei der Schokoladen-, Pralinen- und Bonbonherstellung sowie bei der Getränkeindustrie immer stärkeren Einsatz. Zunächst waren für die Herstellung bzw. die Destillation vieler Aromen, Essenzen und Duftstoffe noch überwiegend natürliche Ausgangsstoffe aus Pflanzen (Wurzeln und Blättern), Blüten oder Früchten in großen Mengen erforderlich, aber die Rosen- und Lavendelfelder vor den Toren Leipzigs reichten schon bald nicht mehr aus. Vor allem auf dem Schienenweg kamen Rohstoffe aus vielen Regionen Europas und per Schiff aus Übersee zur Verarbeitung nach Leipzig. Außerdem wurde von Schimmel & Co. nach 1900 in Südfrankreich eine eigene Fabrikation zur Verarbeitung von Lavendel eingerichtet. Zudem wurde der Export in die USA intensiviert, wo bereits seit 1871 von der Firma Fritzsche in New Jersey ein Tochterunternehmen für die Versorgung des amerikanischen Marktes mit Essenzen, ätherischen Ölen und Aromen betrieben wurde. Nach 1870 entwickelte sich zunehmend die organische Chemie, durch die es möglich wurde, viele Aromen und Duftstoffe auf künstlichem Weg in größerem Umfang und preiswerter herzustellen. Diese Technologie hielt auch immer stärker bei der Firma Schimmel & Co. Einzug, die mit eigenen Laboratorien und Chemikern in einer wissenschaftlichen Abteilung inklusive der 1878 gegründeten wissenschaftlichen Bibliothek weiterentwickelt wurde. Die Jahre zwischen 1890 und dem Ersten Weltkrieg wurden zur Blütezeit des Unternehmens, das inzwischen 43 Agenturen in 20 Ländern unterhielt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war am Rande von Leipzig unweit seiner 35 Hektar großen Rosenfelder in Miltitz ein neues Firmengelände mit modernen Forschungs- und Produktionsanlagen sowie einer vorbildlichen Werkssiedlung entstanden. Der Erste Weltkrieg und seine Folgen mit Gebietsabtretungen, Handelsbeschränkungen und Inflation führten auch bei der Firma Schimmel & Co. zu erheblichen Verlusten und zwangen zu einer wirtschaftlichen Neuorientierung. Man setzte unter anderem wieder stärker auf einheimische Rohstoffe und forcierte die Herstellung von synthetischen Duft- und Geschmacksstoffen, wobei nicht zuletzt die steigende Nachfrage nach kosmetischen Produkten zu einer neuen Blüte während der Goldenen Zwanziger Jahre (1924–1929) führte.
Piech spart in seiner lesenswerten Firmengeschichte nichts aus, geht ebenso auf die sozialen und Arbeitsbedingungen im Betrieb wie auf den mehrere Generationen umfassenden Werdegang und die Funktionen der Unternehmerfamilie Fritzsche bis zur Enteignung und Umwandlung des Betriebes 1948 in einen „VEB Schimmel“ ein. Auch in der DDR blieb das 1956 in „VEB Chemische Fabrik Miltitz“ umbenannte Werk größter Hersteller von Duft- und Aromastoffen, baute seine Handelsbeziehungen und Exporte in zahlreiche Länder aus und entwickelte sich zum Marktführer in Osteuropa. Nach 40 Jahren unter planwirtschaftlichen Bedingungen mit vielen Umbrüchen und einer ambivalenten Entwicklung wurde der Betrieb 1990 unter der Ägide der Treuhandanstalt zunächst in die „Duft und Aroma GmbH Miltitz“ umgewandelt und galt im Zuge der angestrebten Privatisierung durchaus als wettbewerbsfähig. Aber trotz zahlreicher Kaufinteressenten wollte zunächst niemand den Betrieb als Ganzes übernehmen, bis Mitte 1992 die „Miltitz Aromatics GmbH“ mit Sitz im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen als „Management-Buy-in bzw. -Buy out“ und 1993 die „Bell Flowers & Fragrances“ (amerikanischer Familienkonzern) auf dem alten Firmengelände in Miltitz das traditionsreiche Unternehmen übernahmen und bis heute weiterführen.
In einem zweiten Teil des Buches, der mit rund 50 Seiten deutlich kürzer ausfällt, werden exemplarisch zwölf weitere mitteldeutsche Firmen aus der Duft- und Aromabranche vorgestellt. Mit fünf namhaften Betrieben aus Leipzig, darunter die bekannte Fabrik zur Destillation ätherischer Öle „Heine & Co. AG“, die auch in Gröba bei Riesa ein Werk unterhielt, wird die bedeutende Stellung der Stadt für diesen Wirtschaftszweig nochmals unterstrichen. Daneben porträtiert Ronald Piech Firmen aus Magdeburg, Dresden, Waldheim (Marken „Rosodont“ und später „Florena“), Raguhn und Bitterfeld in Wort und Bild. Neben Duft- und Aromastoffen, ätherischen Ölen und Essenzen stellten mehrere Betriebe auch giftfreie Lebensmittelfarben, Gewürzextrakte, Badezusätze und diverse pharmazeutische Produkte wie Salben, Lutschpastillen und Hustensäfte her.
Seine tiefe Durchdringung der Thematik, aber auch die Darlegung übergreifender Zusammenhänge beweist der Autor an vielen Stellen, so auf den Seiten 133/134, wo er mit seiner kurzen und prägnanten Einschätzung die Wirtschafts- und Stimmungslage im letzten Jahrzehnt der DDR nach Meinung des Rezensenten völlig zutreffend charakterisiert. Das Buch ist durchgängig in einem flüssigen und gut lesbaren Stil geschrieben und mit zahlreichen ein- und mehrfarbigen Abbildungen in hoher Qualität reich illustriert. Der Publikation wurde kein bei Sachbüchern üblicher Anhang mit Registern, umfangreichem Literatur- und Quellenverzeichnis, Anmerkungen, ggf. einem Glossar und einer Zeittafel beigegeben. Auf einer Druckseite werden Danksagung, Quellen/Bildnachweis, Literaturverzeichnis und Impressum zusammengefasst. Kleinere Ungenauigkeiten sind selten; etwa auf S. 126, wo man schlussfolgern könnte, dass es in der DDR noch weitere Zweijahrpläne gegeben habe (nur 1949/50), oder auf den Seiten 101 und 102, wo Piech die Währungsbezeichnung „Reichsmark“ auf die Jahre 1922/23 vorverlegt (diese wurde erst im Oktober 1924 eingeführt). Alles in allem hat Ronald Piech mit seinem Buch eine äußerst bedeutende Industriebranche unserer Region eindrucksvoll in Erinnerung gebracht und damit einen verdienstvollen Beitrag zur Schließung von Lücken in der Leipziger Wirtschaftsgeschichte und darüber hinaus geleistet.